Tag 2

Nordsee- Fahrradtour 2001 27.05 - 03.06.2001 ... und es kam alles anders!
Der vollständige Bericht von meiner Fahrradtour an der Nordsee mit allen Bildern!

   Nordsee-Fahrradtour 2001

Montag, 28.05.2001 - 2. Tag (92,71 km, 4:54:13)

Heute morgen habe ich meinen Wecken auf kurz vor acht gestellt, da es um 8 Uhr Frühstück gab: 2 Brötchen, Wurst, Käse etc. Danach habe ich mein Zimmer geräumt und bei mir so gedacht: "Ruf' doch mal in Husum an", dort wollte ich heute übernachten. Doch es kam anders!
Die Jugendherberge Husum ist bis Freitag komplett ausgebucht. Also habe ich es in Friedrichstadt versucht, dort ist aber nur das Faxgerät drangegangen. In Wyk auf Föhr ist gar keiner drangegangen, dafür hatte ich in Wittdün Erfolg und mir ein Bett von Donnerstag auf Freitag reserviert.
Doch bis dahin sind noch drei Übernachtungen zu organisieren. Eine Möglichkeit ist, die Halbinsel Eiderstedt bis nach St. Peter Ording zu umrunden und dann nach Tönning zurückzukehren. Doch wieder: Fehlanzeige! Ab morgen (bzw. heute abend) ist die Jugendherberge restlos ausgebucht, kein einziges Bett ist mehr frei!
Meine Hoffnung lag nun auf Friedrichstadt, von dort hatte ich ja keine Absage erhalten...
Vor meiner Abfahrt war ich noch im Supermarkt und habe als Proviant meine Wasserflasche aufgefüllt und eine Packung Kekse mit 52 Zähnen gekauft.
In einer Regenpause - die übrigens nicht sehr lange dauerte - fuhr ich los in Richtung St. Peter Ording. Ich habe schnell gemerkt, warum ich gestern so flott gefahren bin: ich hatte Rückenwind. Aus dieser Tatsache ergibt sich bei Rückfahrt auf der selben Strecke leider Gegenwind, gegen den ich jetzt ca. 20 km zu kämpfen hatte bis St. Peter Ording. Ich habe über zwei Stunden gebraucht.
Dafür wurde ich aber auch mit herrlicher Landschaft und vielen Schafen incl. Schafsdreck beglückt. Und das Wasser war schon wieder weg! Ab und zu waren auch ein paar Kühe zu sehen oder es nieselte ein wenig.

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In St. Peter Ording habe ich mich entschieden, nicht nach Westerhever zu fahren - was im Endeffekt auch nicht viel ausgemacht hätte - sondern direkt nach Friedrichstadt zu fahren.
Direkt ist wohl nicht so ganz der richtige Ausdruck, ich habe mich zumindest bemüht, die Richtung "grob" einzuhalten. Als ich an einer Stelle gar nicht mehr weiterwusste, hat mir ein Bauarbeiter erklärt, wo ich war. Ich hatte meinen Standort ein ganzes Stück weiter bei Friedrichstadt geschätzt...
Zum Glück habe ich eine detaillierte Karte von Nordfriesland, so dass ich anhand der Ortsschilder, die ab und zu mal kamen, ungefähr abschätzen konnte, ob ich richtig war.
Inzwischen hatte auch der Regen aufgehört und ich zog meine Regenhose aus, den Regenumhang hatte ich schon nach einem Kilometer ausgezogen, da ich mit ihm bei Gegenwind einen so großen Widerstand hatte, dass ich fast stehen blieb.
So suchte ich mir also meinen Weg, immer auf der Suche nach dem direkten Weg, soweit möglich nicht auf befahrenen Straßen, sondern auf Fahrradwegen bzw. Feldwegen, wobei auf letzteren fast mehr Autos gefahren sind als auf der Straße.
Die ca. 60 Kilometer von St. Peter Ording legte ich in zwei- bis dreifacher Geschwindigkeit zurück, Dank sei dem Erfinder des Rückenwindes!
Kurz vor Friedrichstadt hat es wieder angefangen zu pieseln, ein einfaches Mittel, den Regen abzustellen, ist sich mit großem Aufwand Regenkleidung anzuziehenů
In Friedrichstadt endlich angekommen habe ich mir von einem Ehepaar den Weg zur Jugendherberge erfragt, wobei beide Partner verschiedene Angaben machten, bis die Frau ihrem Mann erklärte, dass er still sein solle. Nun ja, ihre Beschreibung war richtig.
Der Weg zur Jugendherberge war ziemlich beschwerlich, Kopfsteinpflaster sollte verboten werden!
In der Jugendherberge erfuhr ich zweierlei: 1. Alles ist voll, nix zu machen, tut uns leid. 2. ein paar Kilometer außerhalb von Friedrichstadt gibt es eine Heuherberge (toll, ich habe Heuschnupfen), dort solle ich es mal versuchen.

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Also nix wie los! Vorher noch in den Spar-Markt und Getränke gekauft, dann fuhr ich zur Heuherberge. Hier war erst einmal alles still und verlassen, niemand war da. Eine (oder: die) Nachbarin wies mich an, einmal ins Haus zu gehen, dort seien die Herbergseltern zu finden. Doch dort war auch niemand. Als ich das Haus wieder verlassen habe, sind gerade Mutter und Tochter angekommen. Frau Liegmann, die Herbergsmutter, hat mir alles gezeigt, Küche, Aufenthaltsraum, Waschraum und natürlich den Schlafraum. Dieser ist ein ehemaliger Stall, der in kleine Kojen für je fünf bis sechs Leute mit Holzwänden unterteilt ist. In den Kojen liegt 20 cm hoch Heu. Ich habe mich erst einmal häuslich eingerichtet, d.h. alle meine Sachen in eine Koje geschmissen, das Fahrrad stellte ich in eine leere Box.

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Die Kojen sind alle nach oben hin offen, wenn einer schnarcht, hört man das bis ans andere Ende des Raumes... Ich bin aber ganz alleine hier! Einsam fühle ich mich nur manchmal.
Ich habe grade zu Abend gegessen (sehr reichhaltig), die Reste stelle ich am besten in den Kühlschrank.

***

Nachdem das geschehen ist, habe ich Platz auf dem Tisch, meine Karten auszubreiten. Ich überlege, welche Möglichkeiten ich habe, die zwei offenen Nächte bis Amrum zu füllen: ich muss entweder morgen bis nach Föhr kommen (ca. 100 Kilometer + Fährüberfahrt), vorausgesetzt dort ist ein Bett in der Jugendherberge frei. Alternativ kann ich nach Niebüll fahren, dort gibt es anscheinend sogar zwei Jugendherbergen. Die dritte Möglichkeit ist, in Privatzimmern unterzukommen, auf der Strecke gibt es wohl einige preiswerte. Morgen werde ich versuchen, telefonisch etwas herauszufinden. Schau'n mer mal!

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Nur mir einem Jugendherbergs-Schlafsack war es etwas zu kalt im Heu (obwohl er 2,9░C Wärmeleistung hat), nachdem ich mir etwas angezogen hatte, ging es.

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